Kulturmanagement-Konferenz „Reformieren statt renovieren – Kultur und Kreativität brauchen Mut zum Wandel“

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Kulturmanagement-Konferenz „Reformieren statt renovieren – Kultur und Kreativität brauchen Mut zum Wandel“ (Duisburg, 16-18.07.2010, Veranstaltet vom Institut KMM Hamburg zusammen mit Kulturpolit. Gesellschaft und Ruhr.2010).

Im direkten Vorfeld des Ruhr.2010 „Stillebens“ auf der A 40 konnte man unweit des Veranstaltungsortes eine ebenfalls „spektakuläre“ (aber ungleich „stillere“) Veranstaltung besuchen: Die Kulturmanagement-Konferenz „Reformieren statt renovieren“. Spannend war dabei schon die Form der Konferenz, die auch „Running discussions“ enthielt (es wurden nachmittags verschiedene Themenforen angeboten, zwischen denen man im 30-Minuten-Takt wechseln konnte, sodass alle Teilnehmer (theoretisch) ihren Input zu allen Themen geben konnten). Auch thematisch bot die Konferenz am Freitag einiges an Neuigkeiten, wobei es weniger um „technische“ als vielmehr inhaltliche Trends ging.

So wurde in Vorträgen und Diskussionsrunden deutlich, dass sich aktuell nur noch wenige der Kulturmanagement-Praktiker wirkliche Hilfe von den „neuen Werkzeugen“ wie neues Steuerungsmodell, Überführung von Kultureinrichtungen in private Betriebsformen wie Stiftungen oder GmbHs oder PPP versprechen. Vielmehr setzen alle auf eine intensive und zielgerichtete Kommunikation mit den relevanten Interessensgruppen, klare Profilbildung und profilierte, qualitätvolle Programme zur Differenzierung. Zudem betonten die Praktiker, dass z.B. im Feld der öffentlichen Kultur der Umgang mit der Öffentlichkeit und z.B. der Kulturpolitik oft eie sehe hohe „Strategieorientierung“ braucht und hier z.B. vollkommene Verfahrenstranzaparenz und frühzeitige Beteiligung aller Akteure oft der Zielerreichung nicht förderlich ist. Insofern ist Hilmar Hoffmanns Forderung „Kultur für alle“ nicht damit zu verwechseln, das für die Erreichung dieses Ziels die Wege und Strategien auch „MIT allen“ diskutiert werden sollte.

Im Rahmen des Berufsfeldtages am Samstag erhielten die teilnehmenden ca.70 Studierenden Informationen über typische Berufsfelder, Anforderungsprofile und Karrierewege im Kulturmanagement. 12 Referenten aus der Praxis (darunter auch der BLOG-Autor) stellten ihren eigenen Berufsweg vor und gaben Tipps, worauf beim Jobeinstieg und bei der beruflichen Weiterentwicklung zu achten sei. Dabei wurde deutlich, dass es oft nicht in erster Linie auf „Fachwissen“ ankommt, sondern darauf, zwischen den Künstlern und den anderen beteiligten Gruppen zu vermitteln und Wege zu finden, alle Beteiligten auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Dabei kommt den soft skills, Kommunikation, „Umsetzungsstrategie“, aber auch der Konzeption neuer Geschäftsmodelle weitaus größere Bedeutung zu als künstlerische oder kulturelle Fachkenntnisse allein. Interessant war zu sehen, dass die Studierenden ihren „Marktwert“ oft zu niedrig und die Funktionsweise des Marktes für Kulturmanager oft zu einfach analog zum öffentlichen Kultursektor sahen. Hier konnten die Referenten einige „Kurskorrekturen“ anbieten und luden zu mehr Selbstbewußtsein und Professionalität bei der Selbstvermarktung ein.

Wichtigstes Fazit und zentraler Tipp war, genau herauszuarbeiten, wie das Unternehmen „tickt“, bei dem man sich bewirbt und konkret herauszustellen, was man selber genau für dieses Unternehmen und den ausgeschriebenen Job an Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringt.

Dr. Bernd Schabbing

 

 

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