Der HIB-Absolvent Christian Baum – die Vielfältigkeit eines Berufsprofils im Recruiting

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Christian-baum in Der HIB-Absolvent Christian Baum - die Vielfältigkeit eines Berufsprofils im RecruitingAnnette Höhne interviewte Christian Baum (31), Absolvent des Jahrgangs 2002, zu seinem beruflichen Werdegang.

Welches Programm haben Sie damals an der HIB abgeschlossen?
Ich habe damals das Programm zum „Internationalen Management-Assistenten“ absolviert und anschließend noch den „Bachelor (Hons) in Management, Business Administration“ der Partnerhochschule in Durham (Großbritannien) erfolgreich abgeschlossen.

Wo hatten Sie Ihr Pflichtpraktikum durchgeführt?
Mein erstes Pflichtpraktikum habe ich bei der Vereinten Krankenversicherung (heute Allianz Private Krankenversicherung AG) in München im Bereich „Personalmarketing“ gemacht. In den zwölf Wochen habe ich gemeinsam mit meinem damaligen Chef ein Rekrutierungshandbuch erstellt, das sich um die Frage „Wie gewinnen wir neue Mitarbeiter für den Außendienst?“ drehte. Dieses Projekt habe ich vom ersten Brainstorming bis hin zum druckfertigen und einsatzbereiten Exemplar begleitet und inhaltlich ergänzt. Hier habe ich zum ersten Mal Kontakt zum Thema „Personal“ gehabt, dem ich bis heute treu geblieben bin.

Mein zweites Praktikum fand aufgrund der Fortsetzung meines Studiums in England ganz in der Nähe des Wohnorts meiner Eltern statt, was die parallele Organisation meines Umzugs erleichtern sollte. Diesmal war es bei der Scheffel GmbH, einem kleinen Familienunternehmen mit nicht einmal zehn Mitarbeitern. Dementsprechend generalistisch hat sich auch mein Tätigkeitsfeld dargestellt: Von der Durchführung von Transporten über die Mitarbeit in der Produktion bis hin zur Organisation des Messeauftritts in Frankfurt. Es ging mir bei der Wahl der Praktika vor allem darum, ein gewisses Kontrastprogramm kennen zu lernen – also einmal ein Großunternehmen von Innen zu sehen, in dem jedem Mitarbeiter quasi eine Spezialistenfunktion zukommt, und beim zweiten Mal in einem Kleinunternehmen zu sein, in dem man dann auch mal „Mädchen für alles“ ist.

Im Jahrgang 2002 gehörte die Fortsetzung des Studiums in einem englischen Bachelorprogramm noch zu den Ausnahmen und die HIB war noch nicht akkreditiert. Was hatte Sie dazu bewegt ein Jahr in England dranzuhängen? Und worüber haben Sie Ihre Bachelorarbeit geschrieben?
Meine Motivation, noch ein Studium in England dran zu hängen, hat sich aus unterschiedlichen Aspekten ergeben: Zum einen war mir klar, dass sich meine beruflichen Chancen deutlich erhöhen, wenn ich den Anforderungen der Globalisierung mit einer internationalen Ausbildung begegne. Zum anderen ging es mir aber um die Herausforderung an sich: Ich wollte die englische Sprache nicht mehr als eigenes Fach sehen, sondern als Grundvoraussetzung für meine inhaltliche Weiterentwicklung.

Dass man einen ersten qualifizierenden Abschluss durch die Kooperation mit der HIB in nur einem Jahr erwerben konnte, war ein schöner Nebeneffekt. Hinzu kam auch, dass ich damals Deutschland für einen bestimmten Zeitraum den Rücken kehren und etwas Neues sehen wollte.

Meine Bachelor-Arbeit habe ich über „Die Positionierung und Wahrnehmung von Automobilmarken in Europa“ geschrieben, es ging also um Marken-Management. Im Laufe der Zeit hat sich das Thema jedoch als derart umfangreich herausgestellt, so dass ich als einziger Student um eine Anhebung des Wortlimits gebeten und sie – nach guter Begründung – auch bekommen habe. 10.000 Wörter sind wirklich nicht viel… ich hatte am Ende fast 9.800 Wörter nur an Fußnoten.

Hatten Sie konkrete Vorstellungen von Ihrem Traumjob? War für Sie sofort klar, dass nach dem Studium direkt der Berufeinstieg folgt?
Ja, mir war schnell klar, dass ich mich nach dem Studium sofort in die Arbeitswelt stürzen wollte. Ich fühlte mich wissenstechnisch gut ausgerüstet und wollte nun einfach sehen, wie sich die Praxis anfühlt und mein eigenes Geld verdienen. Konkrete Vorstellungen von meinem Traumjob hatte ich nur insofern, als dass ich wusste, dass der Job ein gewisses Maß an Internationalität haben und Abwechslung mitbringen sollte.

Sie sind nach dem Abschluss direkt in den Beruf eingestiegen, wie haben Sie das gemacht?
Ich habe mir überlegt, in welchen Berufen ich mich wohl fühlen könnte und welche Branchen meinen Wunschvorstellungen am ehesten entsprechen. Ab da war es einfach Fleißarbeit: Eine Bewerbung nach der anderen schreiben und sehen, was zurückkommt.

Was waren Ihre Lieblingsveranstaltungen an der HIB und welche Themen vom Studium begegnen Ihnen heute in der beruflichen Praxis wieder?
Es wäre falsch, an dieser Stelle einzelne Veranstaltungen und Themen besonders hervor zu heben. Der starke Praxisbezug der Ausbildung war später sehr hilfreich, ebenso die Pflichtpraktika. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass keine Theorie – also Ausbildung bzw. Studium – später eins zu eins die Praxis widerspiegeln kann. Die Frage ist nur, wie groß die Implementierungslücke zwischen Theorie und Praxis ist. Die Ausbildung an der HIB-Academy schafft es, diese recht klein zu halten.

Heute arbeiten Sie bei Huxley Associates in Frankfurt als Recruitment Consultant. Wie sah ihr beruflicher Weg dorthin aus?
Meinen Berufseinstieg hatte ich Ende 2003 bei der Hager Unternehmensberatung GmbH, wo ich das Executive Search von der Pike auf gelernt habe. Es war ein tolles Arbeitsumfeld, zu meinem Bedauern hatte ich aber keinen Einfluss auf die Mandate, d.h. meine Kunden waren Hersteller, Systemhäuser und Distributoren aus dem IT- und Telekommunikationsbereich. Dieser „Bauchladen“ an Mandaten führte dazu, dass die Lernkurve nach etwa zwei Jahren ziemlich abgeflacht ist.

Fast drei Jahre später wurde ich dann von Smith Jessen Headhunters abgeworben, einer Headhunting-Agentur, die auf Banken spezialisiert war und auch Niederlassungen in Paris, Zürich, Singapur, Hongkong, Dubai und Istanbul hatte. Grund für diesen Wechsel war mein Wunsch nach einer Spezialisierung verbunden mit einer stärkeren Internationalität des Unternehmens. Zudem wollte ich sowohl mein Grundgehalt als auch die Vermittlungsprovisionen erheblich verbessern.

Dort war ich für den Fixed-Income-Bereich (festverzinsliche Wertpapiere) über alle Funktionen zuständig, d.h. ich habe eigenständig und eigenverantwortlich Suchmandate abgewickelt. Zu meinen Aufgaben gehörten das Aufsetzen von Zielfirmenlisten, die Definition der Suchparameter, das Briefing des Ident-Teams sowie die regelmäßige Überprüfung der Ident-Ergebnisse. Darüber hinaus war ich für die Direktansprache der potenziellen Kandidaten, das Führen von Interviews, die Präsentation von Kandidaten bei Kunden bis hin zur Begleitung der Gehaltsverhandlungen zuständig. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 sind uns dann alle Aufträge weg gebrochen und das Unternehmen rutschte in die Insolvenz. Dadurch war ich gezwungen, mir wieder einen neuen Arbeitgeber zu suchen.

Mir war schnell klar, dass ich mir – wenn ich weiterhin Banken und Finanzdienstleister als Kunden betreuen möchte – ein neues Themenfeld suchen musste, was auch die nächsten Jahre noch Nachfrage garantiert. Was sich dafür geradezu anbot, war das Thema „Financial Risk Management“, also genau die Funktionen, die zukünftig dafür Sorge tragen sollten, dass sich so eine Finanzkrise nicht wiederholen kann. Inhaltlich war das alles zwar komplett neu für mich, denn vor der Krise wurde diesem Bereich kaum Bedeutung beigemessen – mitunter ein Grund, warum es überhaupt zur Krise kam!

Ich setzte mich also Ende 2009 mit einem Bekannten, der Country Director eines Geschäftszweiges einer internationalen Personalberatung ist, zusammen und wir überlegten uns, inwiefern der Aufbau eines neuen Geschäftsfelds für sein Unternehmen Sinn macht und ob ich mir dies alleine zutraue. Das Ziel, bereits im ersten Jahr sechsstellige Umsatzzahlen zu schaffen, war sportlich, aber bekanntlich wächst man ja mit den Herausforderungen. Mit Neugier, Selbstvertrauen, Fleiß, genügend Frustrationstoleranz und einem Plan im Gepäck habe ich mich dann ans Werk gemacht.

Um ehrlich zu sein… ich hatte es mir viel einfacher vorgestellt, ein komplett neues Geschäftsfeld von Null an alleine aufzubauen. Trotzdem hatte ich die gesteckten Ziele zum Ende des Jahres erreicht, was für meinen Arbeitgeber dann auch ein Zeichen dafür war, dass wir langfristig gemeinsam noch viel mehr erreichen können.

Durch seine hervorragenden Managementfähigkeiten und ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2010 wurde mein bisheriger Vorgesetzter dann auch zum Country Director für alle anderen Geschäftszweige, darunter auch Huxley Associates, bestellt. Im Rahmen dieser Zuständigkeitsveränderung habe ich ihn dann um eine firmengruppeninterne Versetzung gebeten, was dann auch innerhalb von zwei Tagen geklappt hat.

Seit Anfang 2011 bin ich nun bei Huxley Associates im Global Markets Team und dort für sämtliche Front Office Funktionen bei Banken und Finanzdienstleistern in Deutschland und Österreich zuständig.

Wie würden Sie Ihr Jobprofil kurz beschreiben?
Mein Aufgabenfeld würde ich als recht vielseitig und abwechslungsreich beschreiben, da ich für jedes meiner Projekte von A bis Z verantwortlich bin. Ich habe meinen eigenen Markt, den ich kunden- und kandidatenseitig betreue, ich akquiriere meine Suchmandate selbst und verhandle meine Honorare eigenständig. Dann bin ich für die gesamte Projektsteuerung und –abwicklung verantwortlich, d.h. ich generiere Kandidaten für meine Mandate (über die Direktsuche, mein persönliches Netzwerk, Datenbanken und Jobbörsen), interviewe geeignete Personen, stelle diese bei meinen Kunden vor und unterstütze viel versprechende Bewerbungen indem ich sie auf Interviews vorbereite, coache und als „Puffer“ zum Kunden fungiere. Letzten Endes bin ich auch in die Gehaltsverhandlungen eingebunden und helfe, wenn nötig, auch den Kandidaten beim Kündigungsprozess.

Aktuelle Vakanzen zu füllen ist zwar nur ein Teil meines Jobs, aber dafür das „Brot-und-Butter“-Geschäft, bei dem Schnelligkeit, Passgenauigkeit und Kontrolle über die Prozesse eine große Rolle spielen. Es geht aber im zweiten Schritt – also wenn jemand seinen Markt, die Trends sowie die „Mover & Shaker“ kennt – darum, antizipieren zu können, wohin der Markt steuert, welche Profile in 6-12 Monaten wichtig werden und mit welchen Banken man einen eher strategischen Dialog führen möchte. Dies funktioniert nur, wenn man sich von der Konkurrenz abhebt, von den Marktteilnehmern akzeptiert wird und den Anspruch an sich selbst hat, einen fachliches Verständnis zu entwickeln, das über das eines normalen Personalberaters hinaus geht.

Wem das gelingt, der schafft es auch, ganze Teams von einer Investment Bank zur anderen zu bringen und das sind dann die Mandate, die sich jeder Headhunter wünscht. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch für die eigene Reputation. Im Endeffekt besteht im Markt nur der, der auch liefert, was er verspricht und das spricht sich schnell herum. Auf einmal möchten viele Häuser, dass man für sie arbeitet, sie kommen mit Mandaten aktiv auf einen zu und was gibt es Schöneres, als sich die Positionen aussuchen zu können, die man bearbeiten möchte.

Wie gewichten Sie theoretische Erfahrungen aus dem Studium an der HIB, in UK und praktische z. B. aus Praktika für eine erfolgreiche Bewerbung? Welche Erkenntnisse haben Sie bei Ihren Bewerbungsverfahren gewonnen, auch wenn es schon lange zurückliegt?
Grundsätzlich kann ich sagen, dass praktische Erfahrung der theoretischen Erfahrung immer vorgezogen wird und dass Kandidaten mit Erfahrung – auch wenn diese nur theoretisch ist – bessere Chancen haben, als Personen, die „nur“ das Potenzial für etwas mitbringen.

Aber dies ist nur eine Seite der Medaille, denn, die Fähigkeit zur Selbstvermarktung, also wie überzeugend, selbstsicher, motiviert und lernwillig man im Interview auftritt, ist mindestens genauso wichtig. Darüber hinaus möchten potenzielle Arbeitgeber sehen, dass man auch eine ziemlich genaue Vorstellung davon hat, was man möchte und warum man es möchte. Wer beispielsweise auf eine Anstellung im Sales aus ist, muss mit Überzeugung und Leidenschaft vermitteln können, dass es das ist, was einen wirklich interessiert.

Es ist zwar gut, wenn man für sich selbst ein gewisses Maß an Flexibilität besitzt und nicht nur auf einen Job festgelegt ist. Aber dies würde ich meinen potenziellen Arbeitgeber nicht sofort wissen lassen, denn im schlimmsten Fall kann einem dies negativ ausgelegt werden wenn es heißt, „er/sie weiß nicht wirklich, was er/sie will!“.
Viel komfortabler ist die Situation natürlich, wenn man – wie es mir auch schon passiert ist – abgeworben wird, denn hier ist das Unternehmen, das einen einstellen möchte, quasi selbst Bewerber.

Welche persönlichen Voraussetzungen sollte man Ihrer Meinung nach mitbringen, um gut in Ihrer Branche einzusteigen?
Am wichtigsten sind sicherlich sehr gute kommunikative Fähigkeiten. Zuerst muss es gelingen, den potenziellen Auftraggeber von mir und meiner Dienstleistung zu überzeugen und anschließend werden die Konditionen für eine Zusammenarbeit verhandelt. Ab da muss ich dann auf Seiten der Kandidaten meinen Auftraggeber vertreten und umgekehrt. Trotzdem, und das lernt man erst mit der Zeit, darf ich in dieser Konstellation meine eigenen Ziele nicht aus den Augen verlieren, d.h. ich muss den Prozess so steuern, dass ich auch für mich das Optimum heraushole.

Damit sind wir auch gleich beim nächsten wichtigen Punkt, dem verkäuferischen Geschick. Dieses hat man, oder man hat es nicht. Sicherlich kann man auch hier Vieles lernen, aber oft ist es so, dass man Fähigkeiten auf diesem Gebiet hat oder auch nicht.

Ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz ist ebenfalls von Nöten, denn schließlich hat man es mit Menschen zu tun, die auch nicht immer rational entscheiden. Ich nenne es gerne den „Faktor X“, den man nicht immer kontrollieren kann. Ein guter Consultant hat bei seinen Mandaten den Erfolg zu ca. 90% selbst in der Hand, die anderen zehn Prozent kann er kaum bzw. gar nicht beeinflussen. Ein exzellenter Consultant kann diese zehn Prozent nochmals auf drei bis fünf Prozent drücken, aber es wird nie möglich sein, sie auf Null zu bringen.

In meinem Beruf braucht man ebenso ein Gespür für das Wesentliche, ein persönliches Verhältnis zu Kunden und Kandidaten sowie einen Blick für Details, denn sehr oft sind es Kleinigkeiten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Wenn einer meiner Kandidaten von einem meiner Kunden ein Vertragsangebot bekommt, weiß ich durch den engen Kontakt und regen Austausch über fast alles Bescheid… Um es etwas übertrieben zu formulieren: welche Hobbys hat er, wohin der letzte Urlaub ging, was ist das Lieblingsparfum seiner Frau, wie alt sind seine Kinder und wie groß deren Freundeskreis ist, ob er zur Miete wohnt oder ein eigenes Haus besitzt, etc. …

Zu guter Letzt – und bei aller Liebe für Qualität in der Arbeit – ist auch eine hohe Frequenz in der Aktivität in meinem Job wichtig. Tiger Woods, der Golf-Spieler, sagte einmal „The more I practise, the luckier I get!“, d.h. man kann mit Fleiß sein Glück auch irgendwie erzwingen.

Was möchten Sie gerne den heutigen HIB-Studierenden mit auf den Weg geben?
Genießt die Studienzeit, das Berufsleben kommt früh genug!

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