HIB-Absolvent Sebastian Mutschler – Tourismus in Paris und Orléans

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HIB-Absolvent Sebastian Mutschler arbeitet in Frankreich.

Sebastian Mutschler studierte an der HIB Tourismus und machte 2001 seinen Abschluss. Hier spricht er über seinen beruflichen Werdegang im Nachbarland Frankreich..

In Ihrem Studienjahrgang gab es bereits ein Pflichtpraktikum an der HIB. Wo haben Sie es durchgeführt und warum?
Für mein erstes Praktikum bin ich in meine Heimatstadt Osnabrück zurückgekehrt und habe dort ein Praktikum im Vier-Sterne-Hotel Remarque gemacht. Ich war damals generell sehr an der Hotellerie und dem Veranstaltungsmanagement interessiert. Das Hotel hat mir während meines Praktikums sehr interessante Aufgabengebieten in Bereichen Veranstaltungsbüro und Rezeption übertragen und somit konnte ich einen guten Einblick gewinnen und letzten Endes meine Entscheidung treffen, ob ich später in diesen Bereich arbeiten möchte oder nicht. Es war sozusagen eine Art Test.

Nach der HIB sind Sie zunächst nach Paris gegangen? Welche Gründe gab es dafür?
Ich besitze die deutsche und französische Staatsangehörigkeit und für mich stand schon während des Studiums fest später ins Ausland zu gehen, um Fremdsprachenkenntnisse zu gewinnen und den kulturellen Horizont zu erweitern. Es gab die Wahl zwischen England, Spanien oder Frankreich. Paris bot sich natürlich idealerweise für mich an, da ich die Sprache schon gut beherrschte und die Stadt relativ gut kannte. Ich habe hier sehr schnell einen interessanten Praktikumsplatz gefunden. Ich wurde dann direkt im Anschluss an das Praktikum übernommen und habe insgesamt fast zwei Jahre in Paris verbracht.

Ich fand es persönlich sehr wichtig, sofort nach dem Studium ins Ausland zu gehen. Man ist noch flexibel, ungebunden und offen für Neues. Mit den Jahren wird man dann meist immer „sesshafter“ und die Entscheidung alles aufzugeben und von neu zu starten wird dann immer schwieriger…

Was sollte man als Berufsanfänger in Frankreich unbedingt beachten? Gibt es so etwas wir kulturelle Fettnäpfchen oder Verhaltensunterschiede, die einem den Einstieg erschweren können? Wenn ja, welche?
Ich denke es ist generell im Ausland immer wichtig, sich vor Augen zu halten, dass man sich anpassen muss und nicht die anderen an einen selber.

Ich glaube in der französischen Arbeitswelt muss man insgesamt diplomatischer und flexibler vorgehen. Uns Deutschen wird hier oft unsere etwas zu direkte Art vorgeworfen. In Frankreich sind Umgangsformen und Auftreten sehr wichtig: Dinge mit den richtigen Worten zu sagen, Hierarchien zu respektieren, verstehen was „hinter den Kulissen“ passiert und warum. Es ist immer angebracht, sich zunächst etwas zurückzuhalten, zu beobachten und Fragen zu stellen, wenn man nicht sicher ist und um Interesse zu zeigen.

Franzosen lieben Kommunikation und Small Talk somit ist es wichtig sich kurz Zeit an der Kaffeemaschine oder am Fotokopierer zu nehmen um sich mit den Kollegen über außerberufliche Themen und private Dinge auszutauschen.

Morgens um acht Uhr ins Büro des Kollegen zu stürzen ohne ein „Bonjour ça va ?“ nur mit dem Satz „ich brauche die Präsentation in fünf Minuten“ ist nicht sehr angebracht und führt nicht unbedingt zum gewünschten Ergebnis.

Wie hat sich ihr berufliches Leben seit dem Studienende verändert/weiterentwickelt?
Es ging im Prinzip alles sehr schnell, vielleicht sogar zu schnell, und fließend ineinander über: Praktikum, erster Job, zweiter Job. Zum Glück war ich bis jetzt noch nie arbeitslos. Mit den Jahren werden einem natürlich immer mehr Verantwortung und Aufgabengebiete übertragen und Türen öffnen sich nach und nach. Dafür braucht man Durchhaltevermögen !

Wenn man Augen und Ohren offenhält und Einsatz zeigt, erhält man oft intern die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln oder Headhunter treten an einen heran. Es fällt nichts von alleine vom Himmel und es liegt an einem selbst ob man vorwärts kommt oder nicht, vor allem heute, wo der Arbeitsmarkt sehr angespannt ist.
PR in eigener Sache zu betreiben kann manchmal ganz hilfreich sein. Dabei helfen Online-Portale wie „Xing“ zum Beispiel.

Momentan leben und arbeiten Sie in Orléans? Wie kam es zum Wechsel von „der Großstadt aufs französische Land“?

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Unterwegs zu kulturellen Highlights.

Ganz ehrlich gesagt waren mir zwei Jahre in Paris genug. Am Ende lebt man nach dem bekannten „métro, boulot, dodo“ – Prinzip und alles ist aufwendig und kompliziert zu organisieren. Das Großstadtgewusel kombiniert mit dem beruflichen Dauerstress ist auf Dauer doch sehr anstrengend. (Ich komme ja ursprünglich aus Norddeutschland und dem „platten Land“ mit viel frischer Luft !)

Orléans war eigentlich ein reiner Zufall. Ich habe mich auf die Stelle beworben, die Stadt war dabei eher nebensächlich. Ich bin jetzt seit 2003 hier und fühle mich eigentlich rundum wohl. Wir sind das Tor der berühmten Schlösser der Loire. Hier gibt es Kultur, Natur, tolle Weine und interessante Menschen und das alles nur eine Stunde von Paris entfernt! Man muss dabei auch beachten, dass das Leben in einer Großstadt sehr teuer ist. Natürlich sind die Jobmöglichkeiten in Paris bei weitem zahlreicher und interessanter, aber wenn es um Lebensqualität geht, denke ich ist die Provinz interessanter und entspannter.

Können Sie sich noch an Ihre Fächer an der HIB erinnern? Welche, würden Sie heute sagen, waren die, von denen Sie letztendlich am meisten profitiert haben?
Jetzt nach zehn Jahren im Job muss ich sagen, dass im Prinzip alles irgendwann einmal, irgendwie wichtig ist. Je nach Umständen greift man immer mal wieder auf Gelerntes zurück und generell ist es gut über verschiedene Dinge, wenn auch nur oberflächlich, informiert zu sein. Ich mache zum Beispiel heute keine IATA Buchungen, arbeite aber mit Reisebüros zusammen. Es ist also gut zu wissen, wie ein Reisebüro ungefähr funktioniert.

Es geht gar nicht so sehr um Inhalte, sondern um Arbeitsmethoden, Organisation und Allgemeinwissen. Die zwei Jahre an der HIB mit dem doch sehr intensiven Programm und dem hohen Arbeitsaufkommen, haben mich für den Arbeitsmarkt und für zehn bis 12-stündige Arbeitstage fit gemacht. Ich glaube, wir haben wichtiges Werkzeug mit auf den Weg bekommen und gelernt, mit Stress fertig zu werden und sich anzupassen. Dabei waren natürlich gute Fremdsprachenkenntnisse wichtig, um in Ausland Fuss zu fassen.

Wenn sich ein Studierender für einen Berufseinstieg oder ein Praktikum in Frankreich interessiert: Welchen Ratschlag würden Sie ihm unbedingt auf den Weg mitgeben wollen?
Die Franzosen sprechen oft nur wenige oder schlecht Fremdsprachen. Deutsch wird kaum noch an den Schulen gelehrt, aber die deutsche Kundengruppe ist sehr wichtig für den Tourismus in Frankreich. Es gibt hier also sehr gute Jobchancen, wenn man im mündlichen und schriftlichen Französisch relativ gut zurechtkommt. Wenn man erst mal im Land lebt, verbessern sich die Sprachkenntnisse dann sehr schnell.

Dabei bietet Frankreich ganz unterschiedliche Regionen und touristische Angebote. Ich denke eine Station in Paris macht sich immer ganz gut im Lebenslauf. Von dort aus ergeben sich dann oft verschiedene Jobmöglichkeiten.

Welche persönlichen Voraussetzungen sollte man Ihrer Meinung nach mitbringen, um gut in Ihrer Branche einzusteigen?
Ganz grob umrissen:

  •   Flexibilität, Anpassungsvermögen, Offenheit für Neues
  •   Interesse an Menschen und Kommunikation
  •   Fremdsprachen
  •   Umgangsformen und soziale Kompetenz
  •    Zeit- und Stressmanagement und effiziente Arbeitsmethoden

Was möchten Sie gerne den heutigen HIB-Studierenden mit auf den Weg geben? Die Welt verändert sich wahnsinnig schnell und damit unsere Berufe und Aufgaben. Es ist wichtig, mit der Zeit zu gehen und am Ball zu bleiben.

Im Tourismus erleben wir zum Beispiel seit einigen Jahren eine Revolution durch die Anwendung neuer Technologien: facebook/twitter, blogger community, Androiden-Telefone und tracking…

Ich bin im Prinzip jedes Jahr auf verschiedenen Fortbildungen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Es bringt nichts, an alten Mustern und Arbeitsmethoden festzuhalten. Wer stehenbleibt,bleibt auf der Strecke.

Der Tourismus ist wirtschaftlichen Schwankungen, politischen Krisen und Moden und Trends ausgesetzt. Über sich selbst nachzudenken und seine Arbeit zu reflektieren, Fehler einzusehen und zu korrigieren, andere Meinungen und Interessen zu integrieren, helfen vorwärts zu kommen und Entscheidungen zu treffen.

Es ist wichtig, für Ausgleich zwischen Job und Privatleben zu sorgen und sich Zeit für die schönen Dinge des Lebens zu nehmen. Es bringt nichts, eine tolle Position und viel Geld zu haben, wenn man vor lauter Arbeit keine Zeit hat, das Leben zu geniessen. Nur wer sein persönliches Gleichgewicht gefunden hat, kann auch ausgeglichen und effizient im Job sein.

Was möchten Sie heutigen Tourismusstudierenden mit auf den Weg geben?
Nicht „überstudieren“ und das „learning on the job“ zu bevorzugen. Es ist toll, wenn man Diplome erhält, die man stolz an die Wand hängen und im Lebenslauf auflisten kann. Was Chefs aber meist wichtiger ist, ist wie schnell sich jemand einarbeitet und neue Aufgaben und Probleme lösen und große Arbeitsmengen bewältigen kann. Das lernt man nicht im Studium, sondern bei der Arbeit und die Erfahrung hilft einem Stück für Stück weiter!

Das Interview führte Redaktionsmitglied Annette Höhne.

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