HIM-Alumna Kathrin Schmid in Peking – ein Interview

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Heidelberg, 15. Januar 2013. Unser Redaktionsmitglied Annette Höhne hat die HIM-Absolventin Kathrin Schmid interviewt:

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Die HIM-Absolventin Kathrin Schmid bei einer Präsentation mit chinesischen Kunden.

Wie haben Sie das Praktikum gefunden und wie lange wollen Sie bleiben?
Ich hatte die Stelle über AIESEC gefunden, die in meinem zweiten Studienjahr eine Präsentation an der HIM durchgeführt hatten. Die Stelle war als Praktikum ausgeschrieben, inzwischen habe ich mich aber mit meiner Chefin auf eine Festanstellung geeinigt, da sie mit meiner Leistung sehr zufrieden ist und sie mich gerne noch länger behalten will. Wie lange ich hier bleiben werde, weiß ich noch nicht, aber ich schätze mal China wird so schnell nicht langweilig werden… Simple-smile in HIM-Alumna Kathrin Schmid in Peking - ein Interview

Wie sieht denn die Finanzierung Ihres Aufenthalts dort aus?
Die Unterkunft wird gestellt und ich erhalte darüber hinaus einen Lohn, der über dem Durchschnitt eines chinesischen Angestellten in Peking liegt. Desweiteren bekomme ich leistungsorientierte Boni. Insgesamt also genug Geld um meinen Aufenthalt zu finanzieren und am Ende des Monats bleibt immer noch ein wenig zum Reisen übrig.

Welche Aufgaben haben Sie dort?
Meine Aufgaben bisher lagen darin Bildungsreisen nach Europa für chinesische Schüler im Alter zwischen 15-18 Jahren zu organisieren, d.h. die Agenda planen, Firmen kontaktieren die wir besuchen möchten, ein Cross-Cultural Training organisieren, Visa-Angelegenheiten für die chinesischen Schüler regeln, Trainingsmaterial zusammenstellen, etc.

Wir arbeiten mit der britischen Organisation ASDAN zusammen, die unsere Bildungsreisen kontrollieren und Zertifikate für die Schüler ausstellen. Das Zertifikat hilft den Schülern dann später bei der Bewerbung für ein Studium im Ausland. Um dieses Zertifikat zu bekommen, müssen die Schüler ein Portfolio erstellen und 6 verschiedene Kompetenzen erlernen, wie zum Beispiel Team Work. Ich habe als ich hier angefangen habe ein Training von ASDAN bekommen, damit ich selbst die Schüler unterrichten und die Portfolios korrigieren darf. Desweiteren werde ich als „Tourguide“ bei der Reise fungieren und hab die Verantwortung dafür, dass alles rund läuft.

An was arbeiten Sie denn gerade?
Abgesehen von der Reise, bin ich gerade dabei weiteres Trainingsmaterial zu erstellen. Unser neues Projekt heißt MUN (Model United Nations). Das ist eine Simulation von den echten Vereinten Nationen. Wir begleiten die Schüler in die Vereinigten Staaten zu Konferenzen bei denen globale Themen diskutiert werden – wie bei den echten Versammlungen auch. Meine Firma organisiert das Rahmenprogramm für diese Reisen und liefert Trainingsmaterial in Zusammenarbeit mit ASDAN damit das ganze Programm wissenschaftlicher abgedeckt ist.

Konnten Sie Ihre Chinesisch-Kenntnisse aus dem Wahlkurs „Dritte Fremdsprache Chinesisch“ an der HIM schon ausbauen?
Viel Zeit zum Chinesisch lernen bleibt mir leider neben der Arbeit kaum. Ich habe eine Privatlehrerin hier in Peking mit der ich mich ein Mal pro Woche treffe, um vor allem sprechen zu üben. Auch wenn ich meine Kenntnisse bisher noch nicht viel ausbauen konnte, bin ich sehr froh, dass ich den Wahlkurs in der HIM hatte, da ich auf diese Weise schon vor meiner großen Reise ein Gefühl für die Sprache bekommen konnte. Ohne Vorkenntnisse wäre es sehr schwierig gewesen die Sprache und Zusammenhänge zu verstehen.

Was würden Sie als Besonderheiten in China bezeichnen, die man beachten sollte, wenn man als Europäer erstmals nach China reist?
Insgesamt war ich positiv überrascht wie einfach es für Europäer ist, hier zu leben. China hat viele Besonderheiten zu bieten, besonders weil die Kultur und Mentalität sehr unterschiedlich zu Europa ist, aber man trifft keinesfalls auf Diskriminierung oder dergleichen. Was für mich ein wenig gewöhnungsbedürftig war sind die Menschenmassen auf die man täglich trifft, die chinesischen Toiletten (die meistens nur aus einem Loch im Boden bestehen) und das manchmal sehr exotische Essen. Auf der anderen Seite sind Großstädte wie Peking aber auch sehr international – es leben viele Ausländer hier, es gibt westliche Restaurants und Supermärkte und Zeitungen/ Informationsmaterial auf Englisch – man fühlt sich also nicht ganz so verloren wenn man das erste Mal nach China reist. Darüber hinaus ist die Kriminalitätsrate trotz der vielen Menschen relativ gering was mir immer ein Gefühl von Sicherheit in dieser großen Stadt gibt.

Was war am Anfang besonders schwer? Was gefällt Ihnen besonders gut?
Am Anfang ist es mir schwer gefallen, mich an die Wohnsituation anzupassen. Meine Firma stellt mir zwar ein Zimmer, was aber sehr dem chinesischen Standard entspricht. Anfangs habe ich mein Zimmer mit drei weiteren Arbeitskolleginnen geteilt und das Bad mit insgesamt acht Leuten. Mittlerweile habe ich mein eigenes Zimmer, aber die Wohnung ist dennoch sehr spärlich ausgestattet und nicht unbedingt gemütlich. Ich sehe es aber dennoch positiv, da ich die Möglichkeit habe das „originale“ chinesische Leben zu erfahren und mit Chinesinnen zusammen zu wohnen.

Besonders gut an China bzw. an Peking gefällt mir, dass es so unglaublich abwechslungsreich ist und so viel zu sehen gibt. Ich bin schon viel in China gereist und bin immer wieder fasziniert wie unterschiedlich das Land ist – die Städte unterscheiden sich sehr von den ländlichen Gebieten und das Essen und die Geschmacksrichtungen sind in jeder Provinz anders.

Welche Studienfächer sind Ihnen bei Ihrer Arbeit in Peking besonders hilfreich?
Da unsere Firmensprache Englisch ist, hat es mir am meisten geholfen, dass die Studienfächer an der HIM hauptsächlich auf Englisch gehalten wurden. Ansonsten wäre es sehr schwierig für mich gewesen, die wirtschaftlichen Begriffe und Zusammenhänge zu verstehen und die Kommunikation mit meinen Kollegen fällt mir somit auch leichter. Ich denke, insgesamt habe ich während meines Studiums ein Gefühl dafür bekommen, wie ein Unternehmen funktioniert und die einzelnen Bereiche, wie zum Beispiel Sales und Marketing, zusammenspielen. Ich kann nicht sagen, dass ein bestimmtes Studienfach besonders hilfreich ist – es ist mehr das rundum Verständnis von International Business das mir bei der Arbeit weiterhilft.

Was planen Sie nach Ihrem Aufenthalt in Peking?
Genaue Pläne für die Zeit nach meinem Aufenthalt in Peking habe ich noch nicht. Ich könnte mir gut vorstellen meinen Master im Bereich „International Communications“ oder Projektmanagement zu machen, aber dafür muss mich erst noch genauer informieren bevor eine Entscheidung treffen.

Was würden Sie den Studierenden der HIM für die Zukunft mit auf den Weg geben wollen?
Was ich gerne den Studierenden der HIM mit auf den Weg geben möchte ist so viel Auslandserfahrung wie möglich zu sammeln. Ich war mittlerweile schon drei Mal für längere Zeit im Ausland – für einen Schüleraustausch in Ecuador, das Pflichtpraktikum in Namibia und nun mein Job in Peking – und ich hab bei jedem Aufenthalt so viel gelernt.

Nicht nur in dem Job und den Aufgaben die ich hatte, sondern so viel für mich selbst, das meine Persönlichkeit gestärkt und mir neue Sicht-und Denkweisen vermittelt hat. Reisen und fremde Kulturen kennen lernen ist eine Leidenschaft von mir und wenn ich die Möglichkeit habe das mit dem Studium oder mit einem Job zu verbinden, gibt es nichts Besseres für mich. Außerdem sind solche Auslandserfahrungen immer ein Pluspunkt im Lebenslauf besonders wenn man später in einer internationalen Firma arbeiten möchte.

 

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