Tanzproduktion Insight. Und plötzlich waren wir Teil des Bühnenbilds.

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INSIGHT141 in Tanzproduktion Insight. Und plötzlich waren wir Teil des Bühnenbilds.
Tänzer der Dance Company Nanine Linning / Theater Heidelberg; Foto Florian Merdes. Quelle: Theater Heidelberg.

Heidelberg, 08. April 2014. Sein Spiegelbild (an?)erkennen. Das drückt für mich ein wenig von dem aus, was wir gestern Abend im Zwinger in der Tanzproduktion „Insight“ der Heidelberger Dance Company Nanine Linning erlebten.

In meinem Modul Eventinszenierung auf Level 2 kam die Idee auf, uns gemeinsam eine Tanzinszenierung anzusehen und zum Thema des Austauschs zu machen. Gestern Abend dann im Heidelberger Zwinger wurden wir in der intimen Atmosphäre einer überraschend kleinen, in der Altstadt fast versteckt wirkenden Bühne empfangen. Alles schwarz. Wir sitzen in der ersten Stuhlreihe, ca. 50 cm vom Ende der Bühne enden meine Schuhspitzen.

Als es los geht höre ich Tamara neben mir noch sagen „ist das nah“. Ja. Das war es. So nah, dass ich jeden Atemzug der Tänzerinnen und Tänzer hören konnte, dass der Ausdruck des Tanzes förmlich spürbar wurde.

Das Stück beginnt mit einem grellen Scheinwerfer, der auf die Zuschauer gerichtet ist und dem aufdringlichen Ton einer Sirene, die an große Fabriken erinnert. Am Ende der Bühne, uns genau gegenüber, ein langer Spiegel, und unser Spiegelbild: Das Stück „Insight“ ist inspiriert von dem 1924 geschriebenen Stück „Wir“ von Jewgenij Samjatin und „1984“ von George Orwell. Es beschwört die Verfremdung der menschlichen Seele im Zeitalter der Maschine herauf, der Maschine Mensch und der Maschine Staat, setzt sich mit der Frage auseinander, wie der Menschengeist zu diesen Formen kam, warum er darunter leidet, wo sie doch eigentlich nutzen sollten. Zeigt die elementaren Gefühlslagen des Menschen wie Wut, Angst, Stolz, Freude, Liebe, Überraschung und Gier, Freiheit und Unfreiheit (Insight Inside, die Einsichten der Eingeschlossenen, Programmheft dance company, nanine linning, theater heidelberg).

Dicht, in großen Teilen beängstigend, Verfremdung und Fremdsteuerung, Gewalt und Kontrolle, dann wieder befreiend. Und immer wieder finden die Tänzer den Blick in diesen Spiegel, der, so kommt es mir vor, das Tor zur eigenen Seele zu sein scheint. Zu unseren Schatten, aber auch die Tür zu einer alternativen Gesellschaftsform. Und plötzlich dreht sich dieser Spiegel und die Besucher werden über die Spiegelung selbst zum Bestandteil des Bühnenbilds, ohne es zu merken, ohne es steuern zu können erkenne ich, dass ich Teil des gesellschaftlichen Spiegels, Teil der Maschinerie aus Funktionieren, Mitmachen, Abwehr, Erkennen, Aufbegehren, Aufgeben, Rückzug und Weitermachen geworden bin.

In der Studiengruppe haben wir uns im Anschluss noch eine ganze Weile über die Einfachheit der szenischen Mittel und deren direkte, starke emotionale Wirkung unterhalten. Mich hat ganz besonders überrascht, mit welcher Einfachheit und Klarheit der szenischen Mittel es den beiden Choreografen Sandra Marin Garcia und Zoran Markovic und dem Bühnenbildner Daniel Isern gelungen ist, Zuschauer, Tänzer und Bühnenbild miteinander zu verweben. Angesicht der Tatsache, dass ca. 20 Prozent der verbalen Information im Langzeitgedächtnis bleiben sind dies beides Themen, die uns bei Event- und Markeninszenierungen grundlegend beschäftigen.

Daher: Insight. Ansehen. http://www.youtube.com/watch?v=6ZIL4UGQ1zU

Susanne Doppler

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