#fbm14 – Besuch der 66. Buchmesse in Frankfurt

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Heidelberg, 14. Oktober 2014. Die Frankfurter Buchmesse ist nicht nur eine der bedeutendsten Buchmessen, sondern mit über 7.000 Ausstellern auch eine der größten Messen weltweit.

Ein Besuch der Buchmesse ist immer auch ein Bekenntnis: Ja, ich liebe Bücher. Ich finde es aufregend, kilometerlang durch Bücherwände zu streifen, Titel, Satzfetzen, Bilder, Layouts, die von den Covers in mein Blickfeld springen. Hier ein alter Bekannter, dort ein neues spannendes Thema.
Die Buchmesse – das sind Menschen, Bücher und Gespräche. Der jährliche Treff aller, über die geschrieben wird, über die man spricht in der Szene, die man sonst nur in den Feuilletons der großen Zeitungen „trifft“, deren Fotos man aus den Klappentexten ihrer Werke kennt. Autoren, ihre Leser aber auch Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
In diesem Jahr zum Beispiel Helmut Kohl und seine Frau Maike Kohl-Richter. Dessen früherer Ghostwriter und Autobiograph Heribert Schwan und sein Co-Autor Tilman Jens gaben kurz vor der Eröffnung der Buchmesse den Enthüllungsroman vermarkteten Titel „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“ auf den Markt. Die Wellen der öffentlichen Diskussion schlagen bis heute hoch – denn die Publikation der dem Werk zugrunde liegenden Gesprächsprotokolle ist strittig. Auf dem Stand der F.A.Z. komme ich gerade rechtzeitig dazu, als der Journalist Jörg Magenau und Autor des Ende August erschienenen Buches „Schmidt – Lenz. Die Geschichte einer Freundschaft“ vorstellt. Jörg Magenau war – abgesehen von der Familie – einer der letzten, die mit dem Anfang Oktober verstorbenen großen deutschen Schriftsteller Siegfried Lenz gesprochen haben. Seine Darstellung der beiden Gespräche mit Sigfried Lenz und Helmut Schmidt angesichts des Todes von Siegfried Lenz umso berührender. Die Zuhörer, dicht gedrängt, hängen an seinen Lippen. Solche Momente kann nur das Leben inszenieren. Auch das ist Buchmesse. Ein paar Schritte weiter ist Autoren Signierstunde. Ein Kinderbuch-Zeichner signiert mit echten kleinen Handzeichnungen geduldig Exemplar für Exemplar. Die Schlange ist lang
In den Hallen 3 und 4, wo die großen Verlage versammelt sind, bin ich neben diesen überraschenden Momenten auch auf der Suche nach außergewöhnlichen Standkonzepten. Die großen Verlage verfolgen alle ein ähnliches Prinzip. Die Besuchergänge werden durch die Stände geführt, rechts und links der Gänge Bücherregale, oft gefasst mit schwarz-weiß Fotos der berühmtesten Autoren, deren Werke im Verlag erscheinen. Standard-Stände, meist weiß. Sieht gut aus und verfolgt ein einfaches Prinzip: Wir verkaufen Bücher. Wir zeigen Bücher. In einer Inszenierung, wie wir sie kennen: In Regalen stehenden. Mal ehrlich: viel Neues ist da nicht dabei.
Dabei bieten Messe eine ganz große Chance: Das Temporäre im Design und in der Architektur ist oftmals Vorreiter für permanente Konzepte der Gestaltung. Dieses kurze Zeitfenster einer Messe, in der temporäre, ja künstliche Erlebniswelten und Realitäten geschaffen werden, kann wirklich Neues ausprobieren. Diese Chance, diese innovative Kraft hat die Buchmesse meines Erachtens versäumt.
Mein persönliches Highlight ist dann aber doch einer dieser klassischen Verlagsstände: Der S. Fischer Verlag präsentiert sich zwar im gleichen Konzept: Raum – Wand – Regal – Buch – Sitzgelegenheit. Aber zumindest in der Material- und Farbwelt und der geschaffenen Atmosphäre unterscheidet sich der Stand vom gros der Aussteller: Der Stand erscheint mir in leichter Überhöhe (?), die Wände in nackter Betonoptik, das Interieur ansonsten minimalistisch, braun. Ganze Regalwände widmen sich einem Autor. Zum Beispiel der Literaturnobelpreisträgerin 2013: Alice Munroe, deren Werk mich persönlich sehr beeindruckt. In der Gesamtatmosphäre wirkt das Ganze wie ein sehr edler, schöner Buchladen. Sehr wertig in der Atmosphäre, zum Schmökern, zum Gespräch und eintauchen einladend. Sehr cool. Mit dem Fachblick der Eventmanagerin interpretiere ich hier auch ein bewusstes Statement, eine Abkehr vom Digitalen.
Wobei ich bei meinem dritten Punkt bin: ich bin erstaunt, wie wenig das Digitale auf den Präsentationsflächen der großen Verlage stattfindet. Versäumen es die großen Verlage hier eine Antwort zu geben? Einzig in Halle 3 dieneu eingerichtete „Self-Publishing Area“ lässt vermuten, dass der Maarkt in Bewegung ist. Auch Sascha Lobo meldet sich mit einem eigenen Stand zu Wort und stellt mit seinem Social-Media-Verlag „sobooks“ sein Gegenkonzept zu amazon vor – eine Kampfansage wie er selbst sagt.
Trotz allem: die Buchmesse bleibt für mich eines der Messe Highlights im Messejahr. Sie ist authentisch. Hier wird gelebt, was Veranstaltungen und Events sein sollten und gerade die großen Messen oft nicht schaffen: Einen Treffpunkt schaffen. Für alle Akteure, Menschen, die sich zusammen tun zu lebendigem und kontroversen Austausch, beliebte BestsellerautorInnen, echte Geschichten, und das alles hautnah.
Persönlich habe ich von der Messe für Sie die Frage mitgebracht, wie denn ein innovatives, temporäres Präsentationskonzept für Bücher aussehen könnte? Wir werden in den Lehrveranstaltungen Event Operation und Eventinszenierung darüber diskutieren.
Von Susanne Doppler, Professorin für Eventmanagement an der HIMH
www.himh.de | twitter: @SusanneDoppler

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