Ole Dross: „Von der HIM direkt nach Hanoi“

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Heidelberg/Hanoi 13. Februar 2015. Von 2011 bis 2014 habe ich an der HIM International Tourism Management studiert. Während des Studiums habe ich eine für mich selbst erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Hätte man mir zu Beginn des Studiums gesagt, dass ich im Sommer 2014 nach Vietnam ziehe – ich hätte es nicht geglaubt.

Doch während des Studiums absolvierte ich zwei Praktika. Das erste war ein freiwilliges Praktikum nach dem zweiten Semester. Durch Zufall und sehr spontan fand ich mich plötzlich für 3 Monate auf der Namseb Lodge in Namibia wieder. Es war das erste Mal für mich, dass ich Europa verlassen hatte, doch mein Fernweh war endgültig geweckt. Mein Pflichtpraktikum von knapp 5 Monaten verschlug mich wieder ins Ausland. Diesmal nach Asien. Nach Hanoi in Vietnam, um genau zu sein. Dass es mir hier gefallen hat ist wohl offensichtlich, schnell stand fest, dass ich wieder zurück gehen würde. Keine zwei Wochen nach meiner letzten Prüfung an der HIM trat ich meine neue Stelle beim Reiseveranstalter Exotic Voyages an.

Doch was ist es, das Vietnam zu so einem fantastischen Land macht? Ich gebe euch 10 Gründe, warum ihr unbedingt hier her kommen müsst:

1. Essen
Die vietnamesische Küche ist auf der ganzen Welt berühmt, doch nirgends schmeckt das Essen besser als direkt vor Ort – und zwar am besten auf einem maximal 20 cm hohen Plastikhocker am Straßenrand. Die Küche ist extrem vielseitig und sehr frisch. Es werden viele frische Kräuter verwendet, die dem Essen oft einen unbakannten und exotischen Geschmack verleihen. Außerdem wird allgemein mit sehr wenig Fett gekocht, das Essen ist äußerst gesund. Auf einer Rundreise wird man schnell feststellen, dass die Küche hier stark regional geprägt ist. Im Norden, Zentrum und Süden unterscheiden sich die Speisen enorm voneinander. Mir ist es zum Beispiel auch schon passiert, dass ich in Hoi An (namentlich) das selbe Gericht wie in Hanoi bestellt habe und etwas völlig anderes bekommen habe.

Essen-Vietnam1 in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Traditionelles Abendessen bei einer einheimischen Familie auf dem Land

2. Freundlichkeit
Vietnamesen sind ein unheimlich nettes Volk. Vietnam ist auch deshalb bei Touristen so beliebt, weil es ein sehr sicheres Reiseland ist. Hier gibt es kaum Kriminalität und die Menschen sind extrem hilfsbereit. Ganz gleich ob das Moped mitten in der Nacht am Straßenrand repariert werden muss, das Gas am Herd beim Kochen leer geht oder ob man sich einfach nur verirrt hat. Innerhalb von Minuten ist jedes Problem gelöst, und immer mit einem Lächeln im Gesicht. Selbst wenn man in einem einfachen Straßenlokal sitzt passiert es ab und an, dass der Sitznachbar aufsteht, herüber kommt und ein Bier ausgibt. Es ist schwer, sich hier nicht wohl zu fühlen!

Kochen-Vietnam in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Immer ein Lächeln im Gesicht: Meine Vermieterin kocht sogar für mich!

3. Städte
Keine Stadt in Vietnam gleicht der anderen. Der Norden ist traditioneller als der Süden, dies spiegelt sich vor allem in den zwei großen Städten wieder: Hanoi ist die Hauptstadt des Landes, sie liegt im Norden. Die Stadt ist äußerst traditionell, dies zeigt sich sowohl in Architektur und im Kleidungsstil vieler Vietnamesen als auch am Nachtleben. Um 24 Uhr ist hier Sperrstunde. Ganz anders in Ho Chi Minh Stadt, dem früheren Saigon und der größten Stadt des Landes. Wolkenkratzer, wildes Nachtleben und eine sehr westlich orientierte Bevölkerung.

Sonnenaufgang-Saigon in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Sonnenaufgang über Saigon.

Auf den über 1500 Kilometern zwischen Hanoi und Saigon findet sich so mancher weitere Ort, der einen Besuch wert ist. In Da Lat fühlt man sich ein bisschen wie in Frankreich. Tolle Kolonialarchitektur und ein mildes Klima machen diese Stadt vor allem für Vietnamesen selbst zu einem beliebten Urlaubsort. Hoi An und Hue sind fantastische Altstädte im Zentrum des Landes, beide wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Auf den etwa 130 Kilometern zwischen den beiden Orten liegt Da Nang, die drittgrößte Stadt des Landes und eine moderne, aber sehr vietnamesische Stadt. Da Nang hat vor allem noch etwas zu bieten, und damit kommen wir schon zum nächsten Punkt:

4. Strände
In Vietnam finden sich einige der schönsten Strände der Welt. Bei 3500 Kilometern Küstenlinie nicht verwunderlich! Und zu jeder Jahreszeit hat man irgendwo im Land Strandwetter! Da Nang und Hoi An im Zentrum haben wundervolle Strände, hier finden sich auch einige der besten Hotels des Landes, vielleicht sogar der Welt. Auch eine Pause am Strand bei einer Kreuzfahrt in der weltberühmten Halong Bay ist immer nett. Oder man springt direkt vom Schiff ins Wasser…

Traumstrand-Vietnam in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Traumstrand gesucht? Vietnam hat ihn!

Im Süden ist das perfekte Strandwetter im Winter. Wer also kein Fan von Schnee ist (so wie ich), der kann es sich im Dezember auch bei 30 Grad in Mui Ne, Phan Thiet oder auf der Insel Phu Quoc am Strand bequem machen. Vielleicht das Highlight schlechthin ist allerdings die Inselgruppe Con Dao im Süden des Landes. Die kleine Inselgruppe ist noch nahezu unberührt und erwartet seine Besucher mit Traumstränden und gigantischen Strandvillen. Vielleicht trefft ihr hier ja auch das ein oder andere bekannte Gesicht, Angelina Jolie zum Beispiel verbringt hier gerne ihre Familienurlaube.

5. Reisterrassen
So vielseitig wie das Essen, die Kultur und die Städte ist auch die Natur Vietnams. Neben Stränden Sind es vor allem die Reisfelder, die das Landschaftsbild beherrschen. Doch auch diese könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Delta des Mekong oder des Roten Flusses blickt man auf endlose grüne Flächen, doch in den Bergen sind sie in Terrassen angelegt. Diese Bilder hat wohl jeder schon gesehen, die Terrassen gehören einfach zu Vietnam dazu. Der Anblick kann einem wirklich die Sprache verschlagen. Sa Pa ist der wohl berühmteste Ort für Touristen, doch die Reisterrassen finden sich natürlich überall in den Bergen. Ha Giang finde ich persönlich am beeindruckendsten, da die Berge hier noch viel steiler sind, das Tal ist enger und es kaum Touristengibt.Bedenkt man dann, dass das alles von Hand angelegt ist wird es nur noch beeindruckender.

Berge-Vietnam in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Auch die Berge bieten unfassbar schöne Landschaften.

Die Menschen leben hier noch einen sehr traditionellen Lebensstil, und am besten spürt man dies in den…

6. Homestays
Ich bin eigentlich ein Mensch, der den Komfort liebt, doch in den Homestays verzichte ich gerne mal darauf. Homestays finden sich in den ländlichen Regionen des Landes. Meist sind es sehr traditionelle Häuser – in den Bergen typischerweise Stelzenhäuser – und man lebt hier zusammen mit einer einheimischen Familie. Das Haus hat oft nur einen Raum. Man isst auf dem Boden, das Essen ist immer ein traditionelles Festmahl voller Köstlichkeiten und mit einer Menge selbst gemachtem Reiswein. Danach wird abgeräumt und es werden Schlafmatten oder dünne Matratzen ausgelegt. Alle schlafen in einem Zimmer. Wie gesagt, Komfort ist das nicht, aber ein sehr interessantes Erlebnis. Mein liebster Homestay steht übrigens in Mai Chau, hier war ich allein 3 Mal in den letzten Monaten. Ich bin schon ein Freund der Familie.

Homestay-Vietnam in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Am schönsten ist es immer, bei einer Familie auf dem Land zu übernachten!

7. Kultur
Natürlich ist die Kultur für viele ein Grund nach Vietnam zu reisen. Doch ich denke, man kann nicht einfach von der vietnamesischen Kultur sprechen. Dazu gibt es zu viele Unterschiede. Es gibt über 50 verschiedene ethnische Gruppen, jede hat ihre ganz eigenen Rituale. Bei den Bergstämmen kommt es sogar of vor, dass sie nicht mal Vietnamesisch können! Sie sprechen nur die Sprache ihrer ethnischen Minderheit.
Allgemein lässt sich über die Kultur allerdings sagen, dass es eine sehr friedliche ist. Interessant ist, dass nur etwa 15 Prozent der Vietnamesen Buddhisten sind, die meisten bekennen sich zu keiner Religion. Die Familie ist das Wichtigste, daher herrscht hier ein Ahnenkult. In jedem Haus findet sich ein Altar, der den Vorfahren gewidmet ist. Hier finden sich Bilder der Verstorbenen, Räucherstäbchen und Opfergaben wie Süßigkeiten, Cola, Bier, Schnaps oder Zigaretten. Man sagt, dass man im Leben nach dem Tod die gleichen Dinge braucht, wie im Leben auf der Erde. Es gibt sogar eine eigene Währung für die Verstorbenen. Man kauft dieses Papiergeld und verbrennt es dann, auf diesem Weg lässt man es den Vorfahren zukommen.

Tempel-Hanoi in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Typisch vietnamesisch: Der Eingang zum 1000 Jahre alten Literaturtempel in Hanoi.

8. Straßenverkehr
Wenn wir schon von Kultur sprechen: Ein wichtiger Teil ist sicher der Straßenverkehr. Den Meisten geht es wie mir. Als ich in Vietnam angekommen bin, habe ich einen Blick auf die Straße geworfen und gesagt: „Ich werde niemals hier auf einen Roller steigen“. Drei Tage später habe ich mir einen gemietet. Die Straßen hier sind voll von Motorrollern und es scheint, als würde jeder ohne Sinn und Verstand fahren. Kreuz und quer und durch die engsten Lücken fährt man hier, es wird permanent gehupt. Doch sobald man sich einmal in diesen Verkehr hineinbegeben hat, ist es ganz einfach:  im großen und ganzen ist es wie Schwimmen. Man muss einfach mit dem Strom gehen. Es gibt sogar tatsächlich ein System, und das heißt Rücksicht. Man schaut immer auf seinen Vordermann und nach rechts und links. Der Hintermann kündigt sein Kommen durch Hupen an, daher der Geräuschpegel. Da das Tempo allgemein recht langsam ist, passiert in den Städten auch nicht viel. Und selbst wenn man bei 20 oder 30 Stundenkilometern mal stürzt: Mehr als eine Schürfwunde gibt es selten, ich spreche aus Erfahrung.

Verkehr-Hanoi in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Abendlicher Verkehr in den Straßen Hanois.

9. Hanoi
Ich habe meine neue Heimatstadt ja schon erwähnt, doch Hanoi ist definitiv nochmal eine separate Nennung wert. Die Stadt hat so viele verschiedene Gesichter! Da wäre das französische Viertel, mit all den Prachtbauten aus der Kolonialzeit. Hier befinden sich die besten Hotels der Stadt, die Luxusgeschäfte und noble Restaurants. Dann ist da die Altstadt. Traditionelle Archiektur und enge Gassen, man fühlt sich wie in einer ganz anderen Welt. Am West Lake leben allgemein die meisten Ausländer. Hier hat man durch den großen See ein wenig Platz und mehr Luft zum Atmen, auch die meisten Orte zum Ausgehen sind hier. Und überall finden sich die berühmten Sehenswürdigkeiten aus verschiedensten Epochen. Zahlreiche Pagoden und der Literaturtempel, der mit fast 1000 Jahren beinahe so alt ist wie Hanoi selbst. Oder das Mausoleum, in dem man Ho Chi Minh, den Onkel aller Vietnamesen, besuchen kann. In Hanoi wird es niemals langweilig, ganz gleich ob man hier wohnt oder als Tourist zu Besuch ist. Und wenn man den ganzen Tag damit verbringt, sich durch den Streetfood der Stadt zu probieren!

See-Hanoi in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Das verbindet wohl jeder mit Hanoi: Der Hoan Kiem See im Stadtzentrum.

10. Ich
Zugegeben, der letzte Grund ist ein bisschen egoistisch. Aber natürlich freue ich mich immer über Besuch aus Deutschland! Sollte also jemand eine Reise nach Vietnam planen sagt mir Bescheid. Da ich ja langsam selbst Vietnamese werde, lade ich euch gerne alle auf ein Bierchen ein. Oder lieber traditionellen grünen Tee?

Ole-Hanoi in Ole Dross: Von der HIM direkt nach Hanoi
Hoffentlich bis bald in Vietnam!

Die Hochschule für Internationales Management Heidelberg dankt ihrem Alumni Ole Dross für diesen ganz hervorragenden Artikel.

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