Sprints in der Lehre? Der #BOSCHCreatorsClub arbeitet agil

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Heidelberg, 24. Februar 2015. Die Gestaltung jährlich stattfindender, interner Events auf Führungsebene weltweit – das war der Aufhänger für die Zusammenarbeit zwischen der Robert BOSCH GmbH und der Hochschule für Internationales Management in Heidelberg. In ersten Gesprächen, die ich mit dem Verantwortlichen Volker Borkhart bei Bosch führte, entwickelten wir schnell die Idee, die Frage konkret in einem Studienprojekt auf Level 3 im Studiengang Eventmanagement an der #HIM umzusetzen. Am 05. Februar startete die Projektgruppe mit der Robert Bosch GmbH in einem agilen Projekt, verankert im Modul Meeting and Trade Fair Management.

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Die Projektgruppe beim Kick-Off in Stuttgart: Teambuilding „The magic stick“.

Was ist agiles Arbeiten?

Dazu gab uns Dr. Jörg Jockel von Bosch eine sehr anschauliche Einführung. Ich will einige wichtige Aspekte (wenn auch sehr unvollständig) daraus aufgreifen, vor allem mit Blick auf die Anwendung in der Lehre. Begriffe wie early delivery of business value, iteratives Arbeiten, selbstorganisierte Teamstrukturen, weniger Bürokratie standen im Raum. In der Welt des agilen Arbeitens wird der Erkenntnis begegnet, dass Projektteams in Kundenprojekten dazu neigen, „Dinge“ – sei es nun Software oder Produkte oder Technologien – zu Komplex zu entwickeln. Am Ende des Projektes ist viel Zeit vergangenen, der Kundenanspruch hat sich während des Projektes bereits weiterentwickelt und verändert, Unvorhergesehene Entwicklungen und Anforderungen haben Zeit, Ressourcen und Geld in Anspruch genommen, die Qualität der gelieferten Outputs leidet und auf allen Seiten steht Unzufriedenheit . Nicht wenige Projekte scheitern. 70 % aus Kosten- und Zeitgründen (Standish Group (no date)). Das Risiko des klassischen Projektmanagements wächst mit der Komplexität des zu lösenden Projektauftrags, u.a. weil der Business Value am Ende des Projektes steht.

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Die Projektgruppe beim Kick-Off in Stuttgart: Teambuilding „The magic stick“.

 

Embrace change, work iterative – so lautet eine der Antworten des agilen Arbeitens. Das bedeutet, dass agile Projektteams sich methodisch verankert regelmäßig der Frage stellen, welche Veränderungen aus Kundensicht gebraucht werden und wie diese effektiv in den Projektfortgang adaptiert werden können – unter der Prämisse, nicht alles von Anfang an richtig machen zu müssen.

Agiles Arbeiten bricht mit den herkömmlichen Konventionen des klassischen Projektmanagements. Business Value im Sinne von Kundennutzen, wird iterativ in kleinen Schritten generiert und sofort an den Kunden ausgeliefert. Dazu organisiert sich das Projektteam in Sprints. Das sind in der Regel 14 Tages Zeitfenster, in denen sich das Team flexibel in thematischen Schwerpunkten organisiert. Ausgehend von einem Mission Statement werden Epics, das sind Geschichten aus Kundensicht, formuliert, die in einzelne User Stories runter gebrochen werden. Unsere User Stories sind entsprechend immer aus Kundensicht formuliert und folgen dem immer gleichen Aufbau: As a <type of user>, I want <some goal> so that <some reason>.

Jedes Teammitglied arbeitet ausschließlich an festgelegten User Stories. Pro Sprint können je nach Umfang eine oder auch mehrere User Stories bearbeitet und gelöst werden. Nach 14 Tagen trifft man sich mit dem Kunden, z.B. per WebEx Telefonkonferenz, liefert die generierten Erkenntnisse und diskutiert diese gezielt mit dem Kunden. Am Ende der Telefonkonferenz stehen die nächsten Ziele, User Stories werden festgeschrieben und die Projektgruppe setzt zum nächsten Sprint an.

Schon nach den ersten Teamsitzungen wurde mir klar, dass diese Arbeitsweise sich extrem gut für die Lehre eignet. Indem die Studierenden gezwungen werden, die große Aufgabe – oder wie es ein Chef von mir zu sagen pflegte „den Elefanten“ – in kleine Stücke zu zerlegen, diese in konkrete User Stories aus Kundensicht zu formulieren, hat jeder einzelne und die Gruppe als Ganzes sehr schnell viel Geschwindigkeit aufgenommen. Alle Arbeitsdokumente und Ergebnisse werden in einem für alle zugänglichen eigenen Online-Wiki dokumentiert (PBworks). Der Wissenszuwachs ist enorm.

Am kommenden Mittwoch dem 25. Februar endet unser erster Sprint in einer Telefonkonferenz mit Bosch. Ich freue mich auf die ersten Ergebnisse und das Feedback unseres Kunden.

Susanne Doppler, Professorin für Eventmanagement an der #HIM in Heidelberg

Quellen: Johnson, J. (no date) Interview: Jim Johnson of the Standish Group. Online http://www.infoq.com/articles/Interview-Johnson-Standish-CHAOS (access date 2015-02-23)