Chinesisch

Genau genommen, gibt es das „Chinesisch“ als die eine Sprache, die überall in China gesprochen und verstanden wird, gar nicht. Dafür sind die Gebiete, in denen sich über Jahrtausende die chinesische Sprachenfamilie entwickelt hat, viel zu zerstreut und teilweise viel zu abgelegen und die Region als Ganzes viel zu riesig. Tatsächlich lernen viele Chinesen und Chinesinnen das, was allgemein unter „Hochchinesisch“ verstanden wird, v.a. in der Schule und teilweise auch durch das nationale Radio und Fernsehen. Zuhause wird in vielen Regionen nämlich durchaus noch immer nur einer der vielen Dialekte der chinesischen Sprachenfamilie gesprochen. Die chinesische Sprachenfamilie als Ganzes ist damit wohl die „Sprache“, die mit knapp 1,5 Milliarden Menschen als Muttersprache wohl am meisten auf der Erde gesprochen wird.

Formen der chinesischen Sprachenfamilie kann man v. a. auf dem chinesischen Festland, also dem Gebiet der kommunistischen Volksrepublik China, hören. Darüber werden verschiedene Formen und Dialekte der chinesischen Sprachenfamilie auch in verschiedenen Regionen und Ländern Südostasiens, wie auf der Insel Taiwan (Republik China), Singapur, Indonesien, Malaysia, Thailand, Vietnam und den Philippinen gesprochen. „Chinesisch“ spielt darüber hinaus aber auch in den Exklaven, die chinesische Flüchtlinge und Auswanderer in Amerika und Europa bildeten, den s.g. China Towns, eine Rolle.

Für alle o.g. Regionen gilt, dass dort im Alltag einer oder auch mehrere der -zig verschiedenen chinesischen Dialekte gesprochen werden. Zudem gilt dort auch teilweise „Mandarin“, welches allgemein auch als das „Hochchinesisch“ bezeichnet wird, als offizielle Amtssprache. Mandarin ist eine Ableitung aus dem Pekinger Dialekt. Da Beamte am Hofe des Pekinger Kaisers Mandarine genannt wurden, hat sich deren Sprache, das Mandarin, als die Sprache der Gebildeten und somit als die nationale Amtssprache des chinesischen Kaiserreichs verbreitet. Die chinesischen Dialekte als solche können jedoch teilweise so unterschiedlich sein, dass sich deren Sprecher ohne das Hochchinesisch, also ohne Mandarin, eigentlich nicht mündlich verständigen können.

Die Einheitlichkeit der chinesischen Sprachenfamilie wird vielmehr über die Schriftsprache geschaffen. Denn über alle Dialekte hinweg gilt: Jede sprachliche Sinneinheit, also jede Silbe, wird über jeweils ein Schriftzeichen dargestellt. Dieses Schriftzeichen wird dann zwar in den unterschiedlichen Dialekten unterschiedlich ausgesprochen, aber eigentlich gleich geschrieben. Diese klassischen chinesischen Langschriftzeichen hat sicher jeder schon einmal gesehen. Wegen Ihrer Ästhetik und Bildhaftigkeit werden diese beispielsweise auch hierzulande häufig als modisches Tattoo, das die Silben des eigenen Namen oder des Namens einer geliebten Person darstellt, am eigenen Körper getragen. Zudem schmücken diese natürlich auch die zahlreichen chinesischen Restaurants in unseren Städten. Diese klassischen Schriftzeichen hatten in der Verwaltungsgeschichte Ostasiens eine solche Bedeutung entwickelt, dass diese teilweise in ihrer klassischen Form auch heute noch eine Rolle in der japanischen und auch koreanischen Schrift spielen. Im kommunistischen Festlandchina hingegen werden regelmäßig vereinfachte, aus den klassischen Langzeichen abgeleitete, Kurzzeichen verwendet, da diese leichter und schneller zu erlernen sind.

So war es für die kommunistische Regierung nach der Machtübernahme 1949 leichter, alle bis dahin Riesenscharen an Ungebildeten, die weder schreiben noch rechnen konnten, möglichst schnell zu alphabetisieren. Da Chinesisch und dabei v.a. das „Mandarin“ von schon heute von hunderten Millionen Menschen dieser Erde gesprochen und verstanden wird und der ostasiatische Kulturraum auch als Wirtschaftsraum im 21. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewinnen wird, haben Studierende der Hochschule für Internationales Management in Heidelberg (HIM) die Möglichkeit „Mandarin“ als Wahlsprache so gut zu lernen, dass es ihnen möglich wird, Alltagssituationen bspw. als Reisender zu meistern und das Grundprinzip der chinesischen Schriftsprache zu verstehen.

Wer fleißig ist, wird es an der HIM schaffen, am Ende seines Studiums einige hundert Zeichen lesen, verstehen und schreiben zu können.

Hier finden Sie Informationen zu verwandten Themen im Studienlexikon der HIM:

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