Erlebnisökonomie

Die Erlebnisökonomie (engl. Experience Economy) ist ein relativ junger Wissenschaftszweig, der sich mit dem neuen ökonomischen Wert des Erlebens bzw. des Erlebnisses auseinandersetzt. Nach Pine and Gilmore (1999) ist das Erlebnis als vierter wirtschaftlicher Sektor zu betrachten – nach Rohstoffen, Gütern und Dienstleistungen/Services. In der Abfolge vom Rohstoff zum Erlebnis gelten Rohstoffe in der Regel als ersetzbar (engl. fungible), Handelsgüter als berührbar (engl. tangible), Dienstleistungen als unberührbar (engl. intangible) und Erlebnisse als erinnerbar und erzählbar (engl. memorable).

Ein gutes Beispiel für die Rangfolge hierfür ist Kaffee: von der geernteten Kaffeebohne, für die auf Terminmärkten etwa 1 Dollar pro Pfund erwirtschaftet wird (was ca. 1-2 Cent pro Tasse entspricht), zum gerösteten, gemahlenen und verpackten Kaffe im Einzelhandel (der etwa 5-25 Cent pro Tasse erwirtschaftet) zum aufgebrühten Kaffe beispielsweise als „Coffee to Go“ an einem deutschen Bahnhof, gekrönt und zelebriert in einer Erlebniswelt, wie beispielsweise in einem fünf Sterne Hotel oder bei Nespresso in einem der Flagshipstores. Hier wird ein gehobenes, luxuriös anmutendes Ambiente mit „Bühnenbild und Requisiten“ geschaffen, in das der Kaffegenuss eingebettet wird wie in ein Theaterstück - einer der wichtigsten Akteure ist der Kunde selbst. Der Preis für ein „Äquivalent Kaffe“ steigt in dieser Abfolg um ein Vielfaches, der größte Preissprung liegt zwischen der dritten (Service) und vierten Stufe (Erlebnis). Das Wesen eines Erlebnisses ist, dass es erst in der Wahrnehmung eines Individuums entsteht und daher auch nur bedingt plan- und steuerbar ist. Erlebnisse werden daher produziert aus einem Set erinner- und erzählbarer Aktionen, die einer Theateraufführung gleichen.

In der Erlebnisökonomie findet dieses Erlebnis eben im Business statt. Das Konzept der Erlebnisökonomie spielt im Eventmanagement-Studium an der Hochschule für Internationales Management eine zentrale Rolle. Die zunehmende Bedeutung der Erlebnisökonomie zeigt, dass Eventmanager heutzutage weitaus mehr leisten, als singuläre Veranstaltungen zu planen. Die Auseinandersetzung mit der Inszenierung von Erlebnissen bildet den Kern des Eventmanagement-Studiums.

Das Prinzip, bewusst Erlebnisse zu schaffen, wird in Zukunft immer weitere Bereiche der Wirtschaft und der Unternehmen durchdringen: in Verkauf und Vertrieb, in Kommunikation und Informationsvermittlung oder auch bereits in der Produktentwicklung. Die folgenden Links bieten Ihnen Informationen zu weiteren Themen im Studienlexikon der HIM:

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