Fair Trade

Fairer Handel oder „Fair Trade“ ist einer der zentralen Begriffe des nachhaltigen Managements, da soziale Fairness und Stabilität zu den drei tragenden Säulen des Nachhaltigkeitsbegriffs gehören. Nach dem Grundgedanken des Fair Trade sollen alle Beteiligten in der Beschaffungskette von Waren mindestens so viel verdienen, dass sie davon leben können und unter gesundheits- und umweltverträglichen Bedingungen arbeiten. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Produzenten in den weniger entwickelten Regionen unserer Welt. Konkret heißt dies aus der Perspektive der Betroffenen: „Fair Trade bedeutet für uns, dass wir Arbeit und Verdienstmöglichkeiten haben, so dass wir unsere Kinder zur Schule schicken können. Von unserem Verdienst haben wir in der Gruppe ein gemeinsames Konto angelegt, und wir alle entscheiden, wer davon einen Kredit bekommen kann. Wir wollen kein Mitleid, sondern Arbeit, die wir in Würde verrichten können. Wir haben nun auch eigene Arbeitsräume, wo die Arbeitsbedingungen gut sind.“(Sunita, Schatzmeisterin der Gruppe Taja16, TARA Projects, Indien, aus: Die Wirkungen des Fairen Handels, S. 5).

Im Konzept des Fair Trade geht es nicht um Spenden, Geschenke oder Subventionen für Produzenten. Vielmehr geht es um eine bewusst anders und neu gestalte Supply Chain (=Beschaffungskette) einerseits und Vertriebskette andererseits, die sicher stellen sollen, dass die Beteiligten so viel verdienen, wie sie zum menschenwürdigen Überleben brauchen. Entsprechend werden transparent und fair kalkulierte Preise in der Regel für eine gewisse vertraglich vereinbarte Dauer zugesagt, so dass auch abhängige Produzenten im Rahmen des Fair Trade eine verlässliche Planungsgrundlage haben. Darauf aufbauend kalkulieren die nachfolgenden Stufen der Wertschöpfungskette in Handel und Logistik nach derselben Vorgabe, die einen angemessenen und fairen Verdienst auf allen nachgelagerten Stufen vorsieht. So werden die Produkte den Endverbrauchern in den besser entwickelten Regionen der Welt als fair hergestellt und fair gehandelt gekennzeichnet angeboten. Fair gehandelte Produkte finden sich somit häufig im mittleren bis gehobenen Preissegment und eher selten im unteren Preissegment der einzelnen Produktkategorien.

Bei Importprodukten aus weniger entwickelten Regionen, die nicht den Vorgaben des Fair Trade entsprechen und den Endverbrauchern besonders günstig angeboten werden, ist es häufig so, dass die mächtigen Handelskonzerne der entwickelten Welt den Produzenten in den ärmeren Ländern die Produktionspreise diktieren, die notwendig sind, um zu Kampfpreisen in Europa, Nordamerika, Australien oder Ostasien anbieten zu können. Die eigentlichen Produktionskosten des Produzenten vor Ort spielen bei dieser rein absatzmarkt- und preiskampfgetriebenen Form des Handels im Gegensatz zum Fair Trade keine Rolle mehr. Häufig ist es sogar so, dass beispielsweise kleine Plantagenbesitzer und Bauern ihre Pacht oder Zinsen für Land- bzw. Saatgutkredite an dieselben Kaufleute bezahlen, die ihnen auch die Ware abkaufen und die wissen, dass die Preise die sie den Bauern geben, die Kosten nicht decken.

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die Preiskämpfe in den Regalen der Supermärkte in den hoch entwickelten Ländern einseitig zu Lasten der Erzeuger in den armen Ländern ausgetragen werden, da diese das schwächste Glied in der Kette darstellen. Dieses Ergebnis widerspricht den Zielen des Fair Trade.

Im Studium Nachhaltigkeit an der Hochschule für Internationales Management Heidelberg haben interessierte, kritisch denkende junge Menschen die Möglichkeit, sich mit innovativen Konzepten zu beschäftigen, die zu mehr Fairness und Nachhaltigkeit im internationalen Business führen. Die Hochschule bietet einen ganz besonderen Bachelor-Studiengang, der betriebswirtschaftliches Know-how und Kompetenzen im nachhaltigen Management vermittelt und in drei Jahren zu einem deutschen und britischen Doppelabschluss führt.

Hier finden Sie Informationen zu weiteren Themen im Studienlexikon der HIM:

zurück